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Westernreiten


Das Westernreiten ist eine Disziplin des Reitsports. Es hat seinen Ursprung in den USA und hieß ursprünglich Vaquero. Fälschlicherweise vermuten viele, der Sport setze einen rauen Umgang mit dem Pferd voraus. Eine Annahme, die vermutlich aus den Darstellungen in Wildwestfilmen herrührt. In der Praxis führt aber nur eine sanfte Behandlung des Pferdes zum Erfolg. Bei einem gut ausgebildeten Tier genügen angedeutete Signale mit Schenkel oder Zügel, damit es gehorcht und die verlangten Übungen bewerkstelligt. Der Arbeitsalltag eine Cowboys erforderte es, dass ein Pferd problemlos einhändig geritten werden konnte und in gewisser Weise bei der Arbeit mit den Rindern mitdachte. Im Fachjargon wird das als „Cow-sense“ bezeichnet. Diese besondere Art der Intelligenz lässt sich bei Pferderassen wie Quarter Horses, Paint Horses und Appalousas finden. In Deutschland kommen aber auch Haflinger und Freiberger für den Sport zum Einsatz. Ziel der Ausbildung ist es, dass ein Pferd hinterher möglichst selbstständig arbeitet. Erst nach vielen Jahren entwickelt sich zwischen Pferd und Reiter eine Perfektion, die sich in einer vollkommenen Harmonie bei allen Bewegungsabläufen ausdrückt.
Außerhalb der USA wird dieser Reitsport besonders in Italien, Österreich und Deutschland betrieben und hat sich zu einem Hobby für die ganze Familie entwickelt. 1978 wurde die Erste Westernreiter Union Deutschland (EWU) gegründet, die unter anderem Turniere ausrichtet, an denen Pferde aller Rassen zugelassen sind.

Herkunft und Tradition

Der aus Mexico stammende Vaquero war der Lehrmeister des amerikanischen Cowboys. Die ersten Vaqueros waren indianische Rinderhirten. Der Name Vaquero leitet sich von dem spanischen Wort Vaca (Rind) ab. Die Spanier brachten im 17. Jahrhundert Rinder nach Amerika. Die Rasse der Longhorns stammt aus der fortwährenden Inzucht der entlaufenen andalusischen Rinder der spanischen Eroberer. Die Longhorns zeichnen sich durch ihre Robustheit aus.
Nach dem Bürgerkrieg zwischen den Süd- und Nordstaaten (1861 bis 1865), der mit einer Niederlage der Südstaaten endete, begann die Blütezeit der Cowboys. Texas stand vor dem Staatsbankrott, während in den Nordstaaten die Menschen hungerten. In Texas gab es rund 30 Millionen halbwilder Longhorns. Ein großes Vermögen, wenn es gelang, die Rinder in die Städte des Nordens zu treiben. Die ersten Versuche scheiterten und brachten Rancher und Cowboys große Verluste. Es dauerte zwei Jahre, bis ein gewisser Joseph G. McCoy den Einfall hatte, in der Prärie von Kansas einen Rindermarkt zu installieren und einen Eisenbahnverladebahnhof für die Longhorns zu errichten. Es war der erste Rindermarkt der Welt, dem unter anderem Märkte in Newton und Dodge City folgten. Damit wurden die Wege (Trails) verkürzt. Für die Cowboys, die mit den Vieherden bis hinauf nach Kanada zogen, war die Arbeit mit den Rindern hart und entbehrungsreich. Sie verbrachten meistens 16 Stunden am Tag im Sattel, um die Longhorns ans Ziel zu bringen. Sie waren dabei Naturkatastrophen wie Sand- oder Schneestürmen ausgesetzt, mussten sich gegen Viehdiebe, Indianer und feindliche Siedler verteidigen.
Das wichtigste „Arbeitsgerät“ der Cowboys waren die Pferde, die von verwilderten maurisch-arabischen Rassepferden abstammten, die den Spaniern entlaufen waren. Diese Tiere entwickelten sich in relativ kurzer Zeit zu großen Herden. Die Indianer machten sich die Pferde zu Nutzen und wurden zu Reitervölkern. Durch Kreuzungen gelang es den Nez Percé-Indianern den Appalousa zu züchten. Das amerikanische Wildpferd darf nicht mit dem Mustang verwechselt werden. Diese eher minderwertige Rasse wurde von Indianern und Cowboys abgeschossen. Das Wildpferd dagegen war schnell und robust und bekam den Namen Indianerpony. Ein gerne gebrauchtes Pferd für die täglichen Verrichtungen der Cowboys war das Quarter Horse, das beim Treiben der Rinderherden und beim Rodeo gegenüber anderen Rassen die beste Figur abgab.
Die Cowboys unterschieden die Pferde nicht nur nach Rasse, sondern auch nach Farbe. Aber wesentlich für die Auswahl waren die speziellen Qualitäten eines Pferdes bei der Arbeit. Es gab die Cutting-Pferde, Wurfseil- und Treibpferde. Langpferde waren auf weiten Strecken schnell und ausdauernd, während die Kurzpferde zum Einsatz kamen, wenn kurze Weg in großer Geschwindigkeit zurückgelegt werden mussten. So konnte es durchaus sein, dass ein Cowboy sieben verschiedene Pferde besaß, die gemeinsam den Anforderungen entsprachen. Daraus entwickelte sich das Westernreiten, wie es heute betrieben wird.

Freizeitsport und Turnierreiten

Der Sport wird gerne von Freizeitreitern ausgeübt, die auf dem Rücken der Pferde die Schönheit der Landschaft genießen. Die Reitweise eignet sich hervorragend für Hobbyreiter. Die Grundlange für diesen Reitsport ist eine gute Ausbildung von Pferd und Reiter. Zahlreiche Einrichtungen ermöglichen es dem Anfänger, bei Ritten durch die Natur und verbunden mit theoretischen Ausführungen diesen Sport zu erlernen. Dabei gibt es keine Altersbeschränkungen. Oft werden die gemeinschaftlichen Ausritte am Abend auf einer Country-Fete zum geselligen Abschluss gebracht. Darüber hinaus haben ambitionierte Reiter die Möglichkeit, bei Turnieren das Können von Pferd und Reiter unter Beweis zu stellen. Die Wettbewerbe stehen ganz im Zeichen der Philosophie des Western Horsemanship. Der Gedanke des Tierschutzes spielt dabei eine wesentliche Rolle. Nur sanfte Hilfen werden angewandt, um das Pferd zu motivieren. Turniere nach den Regeln der EWU werden zur Freude der Reiter auch von vielen Ranches angeboten. Jeder Schwierigkeitsgrad wird bedient. Es werden Wettbewerbe für Freitzeitsportler, Jugendliche und professionelle Reiter ausgerichtet.
California Style und Texas-Style sind die beiden Reitstile, die traditionell gepflegt werden. Beim kalifornischen Reitstil basiert die Ausbildung des Pferdes, die bis zu drei Jahre dauert, auf den Prinzipien der alten spanischen Reitschule. Sie sind gekennzeichnet von schnellen Stopps und Drehungen auf der Hinterhand. Der texanische Stil beruht ebenfalls auf den Grundlagen der spanischen Schule und wurde den Erfordernissen der Cowboys angepasst.

Adrettes Aussehen

Beim Westernreiten ist keine Uniform vorgeschrieben, aber gerade bei den Turnieren wird ein adrettes und gepflegtes Aussehen erwartet. Cowboyhut und Jeans sind zeitlos und vermitteln nicht nur optisch den Eindruck, einen Sport zu betreiben, der eine lange Tradition vorweisen kann. Auch die Westernstiefel, das langärmelige Hemd oder die Bluse drücken modischen Schick aus. Chaps mit und ohne Fransen komplettieren das westerngerechte Aussehen des Reiters.

 

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